Das fehlende Puzzlestück! West Ham United v QPR 1:1

Fußball, Premier League Add comments

Ich hatte ja bereits angekündigt, dass ich 2013 im Thema Livesport wieder mehr in die Offensive gehen werde und als Freund Stefan mit der Idee eines London Fußballtrips um die Ecke kam, war ich naturgemäß gekitzelt. Ok, zugegeben, zunächst war ich eigentlich gar nicht so total überzeugt von der Idee, aber als er mir dann die Partien nannte, die auf dem Zettel standen… irgendwie hat da in einem harten Kampf über 12 Runden die Leidenschaft mal wieder die Vernunft durch technischen KO in Runde 4 besiegt.

Erschwerend kam da für die Vernunft natürlich auch noch hinzu, dass sich bei unserem Trip zur PDC Dart WM leider überhaupt keine gute Gelegenheit ergab Premier League Fußball zu schauen. Da war also noch eine offene Lücke, die es zu schließen galt. A propos zu schließende Lücke: In der englischen Premier League sind aktuell 6 der teilnehmenden 20 Vereine in London beheimatet. Das ist ja ansich schon mal eine Hausnummer, wenn wir es mal zum Beispiel mit der trostlosen Situation in Berlin vergleichen. Na ja und da ich schon bei allen anderen 5 Vereinen Spiele genossen habe, war die Aussicht auf ein Match von West Ham United das immer noch fehlendes Puzzlestück. :)

Ich hatte vor ein paar Jahren schon mal den Plan, das Hammers Stadion im Londoner Osten zu besuchen, aber da hatte damals ja Tief Daisy mit Schnee, Eis und abgesagten Spielen maßgeblich was dagegen. Tja, und als es dann jetzt in den Tagen vor dem Trip wie doof anfing zu schneien und die Bilder vom winterlich weißen London durchs Internet waberten, da hatte ich doch direkt einen richtig melancholischen Moment: Bitte nicht schon wieder….! :( So langsam stellte sich mir die Frage, ob es an Partien von West Ham United liegt und ob ich einfach zukünftig Abstand von diesem Ground halten sollte. Das ist schon ganz super, wenn man bereits Tage vor dem Trip weiß, dass alles mal wieder kompliziert werden dürfte. Nicht direkt eine stimmungsfördernde Maßnahme.

Wie auch immer, es kam wie es kommen musste. Der Schnee wurde nicht weniger, ganz im Gegenteil sogar, und als ich dann am Freitag Abend so gegen 23:00 Uhr in der S-Bahn nach Hause noch mal routinemäßig das Wetter und die Abflüge checkte, blinkte da das nette Wort ‘canceled’ neben meinem Flug. Maximal großer Mist also! Die Idee war, früh morgens in London anzukommen und dann Nachmittags zu West Ham United zu gehen. Soweit ein echt schöner Plan, blöd nur, dass British Airways etwas dagegen hatte. Nun ja, die Erfahrung vieler Sporttrips und sonstiger Reisen lehrt uns in diesen Situationen glücklicherweise nicht so schnell aufzugeben. Ich war jedenfalls überhaupt nicht bereit, mir von BA meinen schönen Sporttrip kaputt machen zu lassen und bin direkt in Schadensbehebungsmodus übergegangen. Der sah in diesem Fall so aus, dass ich noch in der Bahn die anderen Flughäfen und Airlines gecheckt habe. Von Hamburg ging nichts zu annehmbaren Preisen, aber Ryanair hatte noch so einen schnittigen 7:00 Uhr Flug ab Bremen im Portfolio. Also gar nicht erst lange schnacken, sondern direkt gebucht, bevor die lausige Irenairline mitbekommt, dass BA alles ab Hamburg canceled und direkt die Preise erhöht.

Das hat mir dann allerdings zwei negative Effekte eingebracht: Zum einen hatte ich damit eine Busfahrt um 3:40 Uhr in der Nacht nach Bremen gewonnen und zum anderen hab ich mit der schnellen Entscheidung leider meinen Mitfahrer Helge abgehängt, dem die ganze Nummer dann doch so etwas zu krass war. Das leidige Thema mit dem Hobeln und den Spänen. ;) Wir haben also unsere Anreise von gemeinsam auf individuell selbst organisiert umgestellt und uns in London verabredet.

Mitten in der Nacht in den Bus gestiegen, nach Bremen gefahren und von dort ging der Ryanairflug auch pünktlich nach London los. Zum Thema Ryanair muss ich leider sagen: die haben auf ganz niedrigem Niveau in den letzten beiden Jahren leider noch mal deutlich nachgelassen. Meine Fantasie hätte es nicht hergegeben, wie man diesen Level noch mal unterkellern könnte, aber den irischen Luftkutschern ist das echt gelungen. Inklusive so lustiger Maßnahmen, wie Leute umsetzen, damit die Gewichtsverteilung im Flugzeug besser ist… Also Vertrauen in eine Airline sieht jedenfalls anders aus und ich werde persönlich nur noch im Notfall mit Ryanair fliegen. Wobei… hey, das war ja auch ein Notfall! :)

Immerhin bin ich dann im Schneetreiben problemlos in Stansted gelandet. Als ich aber die Mengen an Schnee live vor Ort gesehen habe, hätte ich allerdings keinen Euro mehr auf ein Stattfinden der Spiele gesetzt.

Vorteil der veränderten Reiseplanung war aber wenigstens, dass ich mich direkt in Stansted mit Stefan und seinem Kumpel Dirk treffen konnte. 3 von 4 hatten es also schon mal erfolgreich in die englische Hauptstadt geschafft, in Anbetracht der Umstände keine üble Quote. :)

Wie eigentlich immer ging es in eines der Hotels rund um den Kings Cross. Kurz die Sachen abgeworfen und ich war ready for some football. Jetzt konnte eigentlich nur noch eine Absage mein erstes West Ham United Livespiel verhindern. Die stand zwar die ganze Zeit im Raum, aber glücklicherweise kam dann 2 Stunden vor Anpfiff per Twitter endlich die befreiende Ansage: Game on! Und noch eine Hürde genommen. :) Wir sind dann mit der Tube in die Weite Ostlondons, in Richtung Olympia Gelände gefahren. Ich erinnere mich in dem Zusammenhang noch gut an die Olympics in London 2012, da mir während der Tage im August gefühlte 500 Volunteers ins Ohr gebrüllt haben, doch bitte die U-Bahn Station West Ham zu benutzen. – Erfolglos versteht sich.

Ich war insgesamt sehr neugierig, wie sich das Fußballerlebnis bei West Ham United so anfühlen würde. Über die Stimmung im Stadion hatte ich nicht so viel Gutes gehört, aber ich war einfach gespannt. Tickets sind dafür im Prinzip bei den Hammers kein Problem, das Stadion ist selten komplett ausverkauft. Und wenn man gar keine Ahnung hat, nimmt man halt Bobby Moore Stand, schon aufgrund des Names.

Man kommt da also so aus der Tube und steht erst mal auf einem völlig überfüllten Bahnsteig, der nur über eine enge Treppe aus der Station führt. Was in England aber immer wieder bemerkenswert ist: Sowas geht total gesittet ab. Obwohl da sehr viel englisches Menschen Klischee aus der Bahn steigt, drängelt da niemand, da wird nicht geschubst, alle sind da recht gelassen. Aus der Station geht es dann 500 Meter die Straße durch den Stadtteil entlang zum Boleyn Ground. Die Gegend ist definitiv sozialschwach und schon ziemlich heruntergekommen, aber ich habe mich keineswegs unwohl gefühlt. Eigentlich eine typisch englische Fußballatmosphäre rund um ein Stadion. Es gibt Hamburgerbuden, ein paar wenige Pubs und eben ansonsten alle anderen Geschäfte, die da auch ohne Fußball im Stadtteil angesiedelt wären. Das Stadion gehört halt einfach nur dazu. Ich mag das ja.

Das Flair rund um den Ground wurde eigentlich nur durchs Wetter etwas getrübt. So eine Mischung aus Schnee und Regen, sogenannter Schneeregen, dazu empfindlich, wirklich empfindlich kalt. Wir waren noch kurz auf ein paar Pints im Pub und sind dann zum Bobby Moore Stand gegangen. Was mir an englischen Stadien auch ausgesprochen gut gefällt ist diese meist klassische, altehrwürdige Fassade vor der Haupttribüne.  Das ist bei West Ham United auch nicht anders, strahlt eben viel Tradition aus. Durchs enge Drehkreuz rein in die Hütte, ein paar ebenso enge Treppen rauf und folgt man immer dem Luftzug steht man direkt auf der Tribüne. Ich glaube kein englisches Stadion würde in Bezug auf Fluchtwege und Anzahl von Auf- und Eingängen einen deutschen Tüv Beamten hinter seiner Frühstücksstulle hervor locken, aber für den Zuschauer ergibt das eben auch dieses besondere Drumherum. Da ist der Boleyn Ground auch nicht anders. Immer wenn ich den Aufgang hoch komme und das erste Mal in einem Stadion bin, nehme ich mir einen kurzen Moment das Gesamtbild auf mich wirken zu lassen. Es wird sozusagen abgespeichert und kommt in die virtuelle Fotokiste im Hirn.

Mir hat der Boleyn Ground jedenfalls gut gefallen!

Als das Spiel dann los ging und wir auf der Tribüne anfingen so langsam vor uns hin zu frieren, konnten wir ein paar weitere Besonderheiten des englischen Fußballs beobachten. Man muss einfach festhalten: Die Bundesliga hat in der Spitze deutlich aufgeholt, aber das Tempo in England ist nach wie vor höher. Speziell vor dem Hintergrund eines Spiels des Letzten gegen den 12. ist mir das mal wieder bewusst geworden. Beide Mannschaften waren darauf aus den Ball laufen zu lassen und auch die Gäste der Queens Park Rangers sind nicht nur mit dem Ziel angereist, den Hammers den Platz zu zertreten. Die zweite wirklich bemerkenswerte Beobachtung gilt den Schiedsrichtern. Ich ernte manchmal so ein spöttisches Lächeln, wenn ich hier jemandem erzähle, dass in England weniger abgepfiffen wird, aber so ist es nun mal. In dieser Partie (noch mal: Letzter gegen 12.) hat der Schiedsrichter nach 21. Minuten das erste Mal das Spiel wegen Foulspiel unterbrochen. Nach 21 Minuten! Die Mannschaften haben durchaus fair gespielt, aber natürlich waren da dennoch Dinge, die man hätte pfeiffen können. Die Schiris ignorieren sehr viel, was dazu führt, dass die Spieler nicht so lange liegen bleiben und insgesamt Zweikämpfe auch mal als solche annehmen, anstatt immer wie beim Forsthaus Falkenau sanft ins Gras zu sinken. In der Folge hat das Spiel einfach viel mehr Fluss und das ist wiederum für die Zuschauer toll.

Hier kommen wir dann aber auch schon zum Problem: Die Stimmung bei West Ham United habe ich leider als relativ unterirdisch wahrgenommen. Ein englisches Publikum verhält sich zwar grundsätzlich in den Themen Gesang und Anfeuerung anders, als dieser ultraverseuchte Dauersingsang in deutschen Arenen, aber das war echt nichts. Ziemlich tote Atmosphäre und das obwohl QPR sogar in Führung ging, die eigene Mannschaft also durchaus ein bisschen Support nötig gehabt hätte.

Wenn man dann, so wie ich, eigentlich beiden Mannschaften weder negativ noch über die Maße positiv gegenüber steht und es auch noch diese klirrende Kälte hat, dann muss man schon sehr viel Lust auf Fußball in sich tragen. Aufgrund der ganzen Schwierigkeiten bei der Anreise, hab ich mich aber dennoch wie Bolle gefreut da im Stadion sitzen zu können und den Widrigkeiten getrotzt zu haben. – Aber gefroren wurde trotzdem. :)

West Ham United machte dann irgendwann noch den Ausgleich und so endete die Partie leistungsgerecht verdient 1:1. Vor der Tür gab es dann den berüchtigten englischen Stadion Cheeseburger (der bei West Ham tatsächlich exzellent war!) und im Pub wurde die Partie natürlich auch noch ausführlich nachbereitet.

Insgesamt war das somit ein recht runder Nachmittag im Londoner East End unter erschwerten Bedingungen, aber das absolute Highlight des Trips war ja so oder so für den Folgetag eingeplant: Tottenham Hotspur gegen Manchester United!

2 Responses to “Das fehlende Puzzlestück! West Ham United v QPR 1:1”

  1. Gerhard Says:

    Wow. Ich bin Arsenalfan, aber West Ham hatte viele gute Fußballer :)

  2. Ausgleich in Fergie Time! Tottenham Hotspur v Manchester United 1:1 | Livesportfan Blog Says:

    […] dem der schnatterkalte Nachmittag bei West Ham United überstanden und alle Anreiseprobleme überwunden waren, konnten wir ja wie erwähnt am Abend […]

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